interviews|Oktober 2026
Lolita Jacobs kreativer Blickwinke
Ihre Schwester beschreibt Lolita Jacobs' Stil als „eine Mischung, bei der klassisch Französisch und exzentrisch Englisch auf Fran Lebowitz mit Flohmarktflair und ein um die Taille gebundenes Bandana treffen“. Die Modejournalistin bei L’Étiquette Femme – einer Pariser Stilinstitution – ist für ihren Stil bekannt, der Schlichtheit mit Lässigkeit und unerwarteten Details verbindet. „Ich trage immer einfache und alltagstaugliche Kleidung, aber ich achte darauf, dass sie für mich das besondere Etwas haben“, so Lolita.
Das Wort „französisch“ taucht häufig im Zusammenhang mit Lolita Jacobs auf. Französischer Stil, französische Nonchalance, diese besondere Art, sich zu kleiden, die so mühelos wirkt, gerade weil sie durchdacht ist. Es ist eine Beschreibung, die auf sie zutrifft – und die sie sogar selbst verwendet –, obwohl es ihr selbst weniger darum geht, einer bestimmten Vorstellung von französischem Stil zu folgen, als vielmehr darum, zu wissen, wann es Zeit ist, aufzuhören. „Ich versuche, nicht so auszusehen, als hätte ich morgens zu viel Zeit aufgewendet. Wahrscheinlich stimmt das nicht, aber es muss so aussehen, als hätte ich es nicht getan. Ich möchte nicht zu sehr gestylt aussehen“, erklärt sie.
Das heißt aber nicht, dass sie alles dem Zufall überlässt. Ihre Herangehensweise beim Styling zeichnet sich dadurch aus, vertraute Kleidungsstücke auf eine etwas andere Art und Weise zu betrachten und ihnen etwas hinzuzufügen, das die Persönlichkeit der Trägerin besser zur Geltung bringt. „Oft sind es die kleinen Details, die etwas besonders machen: Farben, Materialien, Schmuck, etwa eine Brosche oder ein Tuch um die Taille. Mein Outfit ist komplett, wenn irgendwo ein Hauch von Rot zu sehen ist. Ich trage nicht viel Make-up, deshalb betrachte ich Rot als meinen Make-up-Ersatz. Es ist so fröhlich. Lagen spielen dabei auch eine wichtige Rolle. Ich finde, es hat etwas Anziehendes, dass man im Laufe des Tages die Hüllen bis zu einem bestimmten Punkt der Reihe nach fallen lassen kann.“
Woher kommt deiner Meinung nach dein Sinn für Exzentrik?
„Das habe ich definitiv von meinen Eltern geerbt, besonders von meiner Mutter. Sie hat ihre Kleidung selbst genäht und liebte Flohmärkte. Sie war sehr originell. Sie hat uns Schwestern für Schulfotos immer gestylt – Leopardenstrumpfhose, rosa Kleid, Minnie Maus, Latzhose. Ihr Stil war sehr gewagt. Mein Vater trug immer Jeans. Er hat in Jeans geheiratet und trug so gut wie immer Jeanshose und Jeanshemd, das war gewissermaßen seine Uniform. Sie waren ein außergewöhnliches Paar. Das habe ich von ihnen.“
Woher nimmst du heute deine Inspiration?
„Ich liebe Kinofilme und lasse mich davon gerne inspirieren. Und von Modebildern aus den 90ern. Ich habe mich schon immer für Bilder interessiert. Früher habe ich meine Schwester alle Namen der Models aus den 90ern auswendig lernen lassen und sie dann abgefragt. Ich war schon immer von Models und ihrem Stil fasziniert, besonders von ihrem Stil abseits des Laufstegs. Ich erinnere mich an ein Buch, das mich sehr inspiriert hat: Go-Sees von Juergen Teller. Mich faszinierte die Schlichtheit ihres Aussehens, dieser mühelose Stil. Ich glaube, meine Liebe zu Bildern rührt von meiner frühen Begeisterung für Mode her.“




Für die Wintersaison 2026 haben wir Lolita Jacobs eingeladen, die ARKET Kollektion wie eine ihrer Fashion Storys in Szene zu setzen. Im Rahmen der Kampagne begleiten wir Lolita durch Paris. Die Stimme im Hintergrund gehört ihrer Schwester, der Autorin und Regisseurin Java Jacobs. Der Film zeigt sie in ihrem Büro und ihrem Stadtviertel und malt ein persönliches Porträt, geprägt von Javas Humor und Beobachtungen.
„Der Film erzählt meine Geschichte, aber auch unsere, und wie sich mein Stil über die Jahre entwickelt hat, gesehen durch ihre Augen. Es ist eine kleine Zeitreise zurück in meine Studienzeit am Central Saint Martins College of Art and Design in London. Es war eine Zeit des Experimentierens, in der ich ständig meine Haare änderte. Wenn ich jetzt darauf zurückblicke, sehe ich definitiv eine Verbindung: Ich habe immer etwas anders gemacht und dem, was damals in London angesagt war, meine eigene Note verliehen. Meine Vorbilder waren Hedi Slimane, Pete Doherty und Kate Moss. Obwohl ich Französin bin und es schlicht mag, wohnt meinem Kleidungsstil immer auch eine gewisse Exzentrik inne“, erzählt Lolita.
„Und das trifft im Großen und Ganzen auch heute noch auf mich zu. Ich bin eine berufstätige Mutter, die diese Einflüsse weiterhin schätzt und nach wie vor eine Leidenschaft für Mode hat.“