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Reparaturen waren schon immer Teil des Jeans-Universums. Sie verlängern die Lebensdauer eines geliebten Kleidungsstücks, können aber auch dem vorhandenen Stoff eine neue persönliche Note hinzufügen und Löcher, Risse und sowie Verschleißerscheinungen in Kunstwerke verwandeln. Ausbesserungen waren einst eine Notwendigkeit - heute bilden sie eine bewusste und verspielte Wahl, die als Instrument zur Stärkung und Veränderung dienen kann, sagt die in Stockholm ansässige Ausbesserungsexpertin Kerstin Neumüller.

 

Über die Kunst des Flickens

„Viele Menschen haben es heute nicht nötig, ihre Kleider zu reparieren. Wir können ganz einfach neue Kleider kaufen. Doch wenn Sie in Kleider investieren, in denen Sie sich wohl und selbstbewusst fühlen, möchten Sie sich so gut es geht darum kümmern, um sie so lange wie möglich tragen zu können. Sie werden auch feststellen, dass Kleidung aus hochwertigen Materialien mit der Zeit besser und nicht schlechter wird. Es lohnt sich, an ihnen festzuhalten und schließlich entsteht so eine wahre Beziehung zu ihnen. Durch das Ausbessern dieser Kleider wird diese Beziehung zusätzlich gestärkt. Im Gegenzug verleiht es den Kleidern eine neue Bedeutung.

 

Doch für mich geht dies über die Kleidung hinaus. Es geht darum, dass man sich selbst als jemand wahrnimmt und darstellt, der einen Einfluss auf seine Umgebung hat – als kompetente Persönlichkeit, die weiß, wie sie sich am besten um sich selbst kümmert, jemand, dessen Lösungen über den Konsum hinausgehen. Da uns schon immer beigebracht wurde, dass dies der richtige Weg ist, bezahlen wir jemand anderen, um dies für uns zu erledigen. Doch hier ist ein erster Schritt in die andere Richtung: 'Das kann ich selbst tun'.

Wenn man ein Kleidungsstück flickt, dann bedeutet das natürlich zunächst einmal, dass ein zerschlissenes oder ausgetragenes Stück weiter getragen werden kann. Ein Loch in einer Hose, die man zum Holzhacken trägt, kann man mit einem Patch und etwas Kleber beheben. So kann man sie länger tragen, ganz unkompliziert.

Deshalb passen Flicken und grobes Ausbessern in unserer Vorstellung sehr wohl zu Jeans, aber nicht zu feinen Kaschmirpullovern oder Hemden. Jeans sind Arbeitsbekleidung. Sie sind praktisch, nicht formal, deshalb war es nie eine große Sache, sie zu reparieren. Wenn du deine Mutter fragen würdest, ob sie helfen könnte, dein Abendkleid zu reparieren, würde sie ablehnen. Aber eine Jeans? Kein Problem.

Denimstoffe werden oft auch mit der Jugendkultur und Freizeitmode verbunden und die Do-it-yourself-Einstellung und Ausdrucksformen der Hippie-Bewegung hallen bis heute nach. Dazu kommt, dass Verblassen und Verschleißerscheinungen ein wichtiger Bestandteil der Denim-Welt sind. Man muss Jeans lange tragen, damit sie ihre charakteristischen Eigenschaften entwickeln können. Und gerade, wenn sie an diesem Punkt angelangt sind, treten erste Ermüdungserscheinungen auf. Dass man seine Kleider so lange und intensiv trägt, kommt eigentlich nur bei Jeansstoffen vor, und dadurch entsteht natürlich auch die Notwendigkeit, sie zu reparieren.

Der Einfluss alter japanischer Techniken wie Boro und Sashiko hat in den vergangenen Jahren sicherlich dazu beigetragen, das Interesse an sichtbaren Reparaturen neu zu entfachen. Die japanische Kultur passt sehr gut zu unserer Sehnsucht nach Herkunft und Authentizität. Ich hoffe, dass im Zuge des aktuellen Trends auch vergleichbare Traditionen des Ausbesserns aus anderen Kulturen, wie beispielsweise die indischen Kantha-Textilien, Anklang finden werden.

Die Menschen fühlen sich von der spielerischen Ästhetik des sichtbaren Ausbesserns angezogen. Ich denke, hier liegt ein großer Teil der Anziehungskraft. Viele von uns haben Erinnerungen an einen entnervten Handarbeitslehrer, der uns sagte, dass alles perfekt sein muss, dass das Projekt auf der Rückseite genauso ordentlich und sauber aussehen muss wie auf der Vorderseite des Stoffes. Das ist entmutigend und gibt das Gefühl, dass sich ein Versuch gar nicht lohnt, weil es zu kompliziert ist.

Doch visuell sichtbares Ausbessern ist für alle zugänglich - alles ist erlaubt, jeder kann mitmachen - was der Handarbeit einen lustigen und positiven Aspekt verleiht, der auch Anfänger mehr anspricht. Sie brauchen lediglich Nadel und Faden und ein Stück Stoff - und Sie können sogar eine witzige kleine Stickerei daraus machen. In diesem Ansatz steckt viel Freiheit und Verspieltheit.

Nach einer Weile werden Sie wahrscheinlich Lust haben, mehr zu lernen und zu versuchen. Was kann ich sonst noch tun? Wozu bin ich sonst noch fähig? Denn an manchen Tagen werden Sie vielleicht weniger Lust haben, in einem verrückten Hemd oder mit einem großen roten Stück Stoff auf Ihren Jeans herumzuspazieren.

Die Idee, dass wir als Individuen zum Schutz der Umwelt beitragen können, indem wir unsere Kleider flicken, mag absurd klingen. Doch für mich ist dies ein sehr konkreter Weg, mit Klimaangst umzugehen. Und ich denke, dass wenn unsere Generation die Dinge anders angeht und wenn wir uns selbst beweisen, dass wir kompetent sind - dass wir neue Gerichte kochen, das Auto reparieren oder unsere Kleider flicken können - dann geben wir diese positiven Ansätze auch unseren Kindern mit.

Und das könnte eine viel größere Bewegung anstoßen, als wir uns vorstellen können. Es geht darum, ein Gefühl von Kraft und Selbstvertrauen zu vermitteln. Vielleicht spielt es auch keine Rolle, ob Sie die Grammatik perfekt beherrschen, wenn Sie nur angeregt wurden, die unglaubliche Welt der Sprachen zu erkunden.“


Kerstin Neumüller ist Schriftstellerin, Schneiderin und Inhaberin des Laden- und Reparaturstudios Second Sunrise im Stadtbezirk Södermalm in Stockholm. Ihr Buch „Lappat & lagat“ wurde in Schweden 2018 veröffentlicht und wurde im Juni 2019 unter dem Titel „Mend & Patch“ (Pavilion Books) in englischer Ausgabe herausgegeben.

Kerstins Tipps zum Ausbessern von Jeansartikeln

Kerstins Tipps zum Ausbessern von Jeansartikeln

1 Sie müssen keine Nähmaschine benutzen.Sie können fast alles von Hand machen.

2
Trauen Sie sich einfach. Wenn sie nur Nadel und Faden und aus einem Hotel-Nähset besitzen, dann ist das völlig ausreichend. Probieren Sie es einfach aus. Erwarten Sie einfach nicht, dass beim ersten Versuch alles perfekt klappt. Je einfacher die Werkzeuge, desto mehr wird von Ihnen verlangt. Nähen von Hand erfordert viel Technik und Feinmotorik und das ist uns nicht angeboren. Etwas Neues zu versuchen und möglicherweise zu versagen, mag beängstigend sein, doch gefährlich ist es nicht. Sie werden viel aus Ihren Fehlern lernen.

3
Nutzen Sie das Know-how in Ihrem Bekanntenkreis. Bitten Sie jemanden, dem Sie vertrauen, um Hilfe. Niemand ist ein geborener Experte in allen Bereichen, deshalb spezialisieren sich die Menschen ja auch auf verschiedene Dinge. Fühlen Sie sich nicht schlecht, weil Sie nicht wissen, wie etwas funktioniert, bevor Sie damit beginnen.

4
Viele glauben, sie müssen den Faden sehr fest ziehen, damit die Naht gut hält. Das habe ich selbst auch gedacht. Aber das stimmt nicht. Die Naht sollte nicht lose auf dem Stoff aufliegen - aber auch nicht stark zusammengezurrt werden. Die Stiche sollten wie Rundreiskörner aussehen, nicht wie wütende kleine Münder mit zusammengepressten Lippen. Sonst ist der Stoff der Naht entlang angespannt und uneben und die ganze Stoffoberfläche scheint wie aus dem Lot geraten. Versuchen Sie, mit entspannter Hand zu arbeiten.

5 Wenn Sie einen Riss reparieren, ist es besser, ein Stück Stoff auf der Innenseite unter dem Loch zu platzieren und um den Rand herum zu nähen, und nicht einfach über das Loch hinweg.

6
Es ist auch in Ordnung, einen Patch aufzukleben. Es ist zwar nicht die beste Lösung, aber sie funktioniert. Sehr gut sogar - und meist hält der Flicken so auch ziemlich lange.




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